Das Tsunami Desaster am 26.12.2004

in Südostasien und insbesondere in Thailand

>>> Südthailand Portal | Phuket | Krabi | Khao Lak | Koh Lanta | Koh Raya | Phi Phi Island | Similan Inseln | Surin Inseln | Khao Sok | Koh Yao | Bangkok <<<

Es war am 26.12.2004. Am 2 Weihnachtsfeiertag zwischen 9:00 bis 10:30 Uhr erreichten Tsunami-Wellen einen großen Teil der Küstengebiete im Indischen Ocean - bis hin nach Afrika. Die Teufelswellen fielen mit zerstörerischer Wucht über viele bekannte und beliebte Urlaubsgebiete wie die Malediven, Thailand und Sri Lanka her. An diesem Morgen des 26ten 2004 waren viele Tausende Einheimische und Touristen gerade am Strand, am Aufstehen oder beim Frühstücken. Viele in Unterkünften und Wohnhäusern an der Küste. Für Touristen war Weihnachten. 
Das Epizentrum dieses starken Seebebens an der Nordwestküste Sumatras. Ausbruch um 7:58 Uhr Ortszeit. Stärke: 8,9 der Richterskala. Mehrere kleine Nachbeben zogen sich entlang Burma-Platte noch Stunden nach dem großen Beben, allerdings ohne weitere Auswirkungen (Bild rechts). Binnen weniger Minuten erreichen die höchsten Wellen, bis zu  10 Meter, die Küste Sumatras. Je nach Entfernung später die Küsten von Sri Lanka, die Inselgruppe der Malediven, Indien und die Küste des  afrikanischen Kontinents (Bild unten). 

 

Als die Wellen kamen...

Die Westküste von Thailands wurde von 3 bis 5 Metern hohen Wellen um kurz nach 9:00 Uhr erreicht. Zuerst die Provinz Phang Nga, wo die recht junge Urlaubsregion am Khao (Berg) Lak liegt. Fast gleichzeitig erreichten die Horrorwellen die Perle der Andamansee, Phuket. Die Region um Khao Lak wurde vorwiegend an der Küste urbanisiert. Hier entstanden seit Mitte der achtziger Jahre knapp 100 Hotelanlagen, oft direkt oder nah am Wasser. Der Küstenstreifen nördlich von Phuket hinauf bis nach Burma ist aber nur weitläufig besiedelt. Phuket als Zentrum des Tourismus im Süden ist an den Traumstränden der Westküste schon dichter besiedelt.

Noch am Morgen des 26.12.04 haben wir Gäste zu einem Resort bebracht. Um 8:45 war unser Fahrer mit den Gästen im Hotel. Check-in und Bezug des Zimmers im 2geschossigen Hoteltrakt. Khun (Herr) Bovi war schon wieder auf dem Highway in Khao Lak und auf der Rückfahrt nach Phuket. Das Grollen der Gischt und die Kraft der Welle spürte er im Kleinbus. Der Highway war dann südlich von Khao Lak schon leicht überflutet. 

Ein Weiterfahren erst mal nicht möglich. Zurück fuhr er zum Khao Lak Viewpoint, schaute entsetzt auf die unten liegenden und überfluteten Bungalow-Anlagen. Nichts, nichts konnte er tun. Gar nicht zurück. Um sich um die Gäste zu kümmern. Das Handy funktioniert noch und er schilderte das Desaster ins Phuket-Office. Erst gegen Nachmittag erreicht er mit dem Fahrzeug Phuket City. Überall unterwegs Chaos. Die Gäste: hatten Glück. Beim Zimmerbezug in der oberen Etage blieben sie unverletzt. Reisten dann am folgenden Tag nach Phuket.

 

Khao Lak hat sich als Urlaubsdomäne der Europäer in Thailand gemausert. Skandinavier und Gäste aus dem deutschsprachigen Raum machten immer mindestens 85 Prozent der Gäste aus. Die Insel Phuket und die östliche Trauminseln Phi Phi Islands sind mit Gästen wesentlich internationaler. Das Beben wurde von  vielen Beobachtungsstationen angezeigt. Warnungen vor Tsunami-Wellen wurden auch an die thailändischen Behörden in Bangkok gemeldet.

Die Warnungen wurden jedoch aufgrund des nichtvorstellbaren Ausmaßes und des Noch-Nicht-Geschehenen nur zögerlich weiter geleitet. Doch gab es seinerzeit kein geübtes Szenarium dieser Katastrophe mit ungeheurer Durchschlagskraft etwas entgegen zu setzen. So blieben Einheimische und Urlauber ungewarnt, auch weil die so gut gebuchte Peakseason lief. Das Meer an der Küste zog sich an dem Morgen langsam zurück. Eine viele hundert Meter breite Wattlandschaft war insbesondere an den Stränden am Khao Lak zu erkennen. Augenzeugen sahen die weiß aufschäumenden Wellenkämme dann schon beim Blick auf das Meer ankommen. Doch kaum einer war informiert, was dies zu bedeuten hatte. Es war Feiertag und viele Touristen hatten noch nicht einmal gefrühstückt.

Für viele Urlauber an den wenig bebauten Küstenstreifen um die Khao Lak-Area begann nun die Minute des Davonrennens. Spätaufsteher in den Zimmer unweit des Strand waren schlecht dran. Frühstückende waren Überrascht aufgrund der sich in Panik befindenden Strandgänger. Am Khao Lak gibt es am Wasser kaum erhöhte Gebiete. Nur Hunderte Meter landeinwärts steigt das Land an. Fluchtpunkte auf erhöhte Lande gibt es nicht. Auch die Westküste Phukets wurde teilweise schwer getroffen. Strände an den Urlaubsorten  Karon und Kata wurden wenig verwüstet. Kamala und Patong stärker. Dies hatte mit den Buchten und den Meerestiefen vor der Küste zu tun.

 

Katastrophen-Video der Tsunami-Wellen am Khao Lak und auf Phuket: Länge 7.40 min. 

 
Die Zeit danach...

In den allgemeinen vorangegangenen Regenzeiten (Monsun) der Nebensaison erreichte so manche "schwere See" die Beachfront-Locations der Hotelanlagen und holte so manchen S-Pool ins Meer. Bungalowanlagen wurden leicht beschädigt. Ein paar Anlagen schützten sich im nachhinein mit Wällen aus Sand (Baan Khao Lak Resort) oder mit Betonmauern (Nangthong Bay Resort). Für jeden schien das dann ausreichend zu sein. Keiner hatte je an das Unmögliche bedacht, dass es viel schlimmer kommen könnte. Vorherige Warnungen von Wissenschaftlern wurden in den Wind geschlagen. Immer muss an fast jeder Küste mit großen Flutwellen gerechnet werden. Wohl nur ein Sensor gestütztes Frühwarnsystem vor Tsunami-Flutwellen wie im Pazifischen Ozean vor der Küste Japans kann wirkliche Sicherheit bieten. Dies gilt aber auch für unsere Meere in Europa - obwohl die Statistik unwirklich beruhigt. 

Vor 30 bis 20 Jahren diente der Küstenstreifen am Khao Lak ausschließlich der Landwirtschaft und dem (offshore) Zinn-Abbau. Eine von Phuket bis Ranong verlaufende Küstenstraße begrenzt bis zu den Berghängen diese Gebiet. Die Straße verläuft in Abständen von 200 bis 1200 Metern am Strand entlang. Dahinter in östlicher Richtung ziehen sich die dichtbegrünten Hügel des Hinterlandes bis auf mehrere Hundert Meter Höhe.

Die Schäden in Thailand
Betroffen war die Westküste Thailands. Der Golf von Thailand wurde nicht erreicht. Am stärksten betroffen wurde die Küstenregion von Phuket bis Burma. Auch die Phi Phi Islands wurden stark beschädigt. Die Schäden weiter südlich an der Westküste Thailands, wie auf der Insel Koh Lanta und einigen kleineren Inseln waren nicht so dramatisch. So gab es um das Gebiet am Khao Lak und auf Phi Phi Don die meisten Opfer durch die Riesenwellen und die stärksten Verwüstungen an den Gebäuden. Die Auswirkungen sind gut auf einer Satellitenaufnahme, die etwa 48 Stunden nach der Katastrophe entstand, auszumachen. Siehe Bild rechts.

Viele Anlagen, so beispielsweise das Khao Lak Laguna Resort und das Garden Beach Resort am Nangthong Beach waren nur noch Bauschutt. Vom Ghan Garden & Bin Resort blieb von den 30 Bungalows nur noch einer stehen. Das Areal ist bis heute verweist. Der Wiederaufbau dauerte bis 2007. Das sehr beliebte Mittelklassehotel "The Beach Resort" am Bang Niang Beach wurde verkauft. Von der Großfamilie, die das Resort betrieb, überlebt nur der Seniorchef. Er verlor eigentlich alles. Frau, Kinder, Enkel, Gäste und die Anlage. Er verkauft den Grund und Boden, zog sich zu Verwandten nach Phuket zurück.

Das Geschäft mit Grund & Boden florierte rasch. Vor allem Großinvestoren hatten ein "gesundes" Gespür für die kommenden Geschäfte der Zukunft. Aufgrund vieler Faktoren, wie die Beliebtheit Thailands als Reiseziel, der Bevölkerungsexplosion in Asien, der wenigen noch unverbauten Küstenabschnitte (wie am Khao Lak), ermutigten Spekulanten die in Not geratenen Land abzukaufen. Ganz besonders hart traf es das kleine Fischerdorf Baan Nam Kem. Etwa 20km nördlich vom Khao Lak- Touristengebiet. Hier kamen wohl viele Hundert Einwohner ums Leben. Die Hilfe kam hier auch wesentlich später an. 

Das Gebiet zwischen den langgezogenen Stränden und der Verbindungsstraße war Sumpfgebiet und Auffangbecken von Meerwasser und rückfließenden Regenwasser von den Berghängen. Dieser Landstrich wurde seit Ende der 1980iger Jahre urbanisiert. Die Beachfront-Anlagen liegen teilweise nur unerheblich über dem Meeresspiegel. Auch nach dem Desaster in 2004 ist nun alles wieder so wie vorher. Die Anlagen am Strand sind am besten gebucht. Das Frühwarnsystem funktioniert. Bebt die Erde im Meer oder an Land an der Kontinentalplatte vor Indonesien - was schon früher oft passierte - sind Tsunami-Warnungen schnell an den gefährdeten Orten. Mehr wird man wohl nicht tun können. Einen Trend zum sicheren Urlauben etwas abseits des Strandes oder an Berghängen war nur im Jahr nach der Katastrophe zu erkennen. 

Als dass Unbeschreibliche eintrat, die Flutwellen in mindestens 3 übermächtigen Stößen die Strandbereiche an der Westküste in Thailand trafen, floss die Wucht des Wasser ungehemmt über die Strandanlagen hindurch. Als die oft auf einfachen und untiefen Betonfundamenten gebauten Bungalows der Grundsand entzogen wurde, schwommen die Häuschen umher, zerfielen und zersplitterten Sonnenstühle, Fahrzeuge, Baumaterialien machten aus der Flutwelle ein überaus gefährliches hartes Wasser.

Das Meerwasser floss zumeist in Dauerlauf-Geschwindigkeit in das natürliche, aber teilweise hotelbebaute Hinterland. Teilweise bis mehreren Hundert Meter, bis zur Verbindungsstraße am Khao Lak - die deshalb kurzzeitig nicht durchgehend  passierbar war. Jegliche Stromzufuhr war unterbrochen, Telefonleitungen tagelang nicht intakt. Selbst die Stromverstärker für Mobil-Telefone leiteten Signale nicht weiter. Die Region ohne Flugplatz und nur der Nord-Süd-Straßenverbindung war abgeschnitten von der restlichen Welt. 

Als auf Phuket schon die Schäden sichtbar waren, teilweise schon aufgeräumt wurde, war immer noch kein Kontakt zum Khao Lak-Gebiet möglich. Erst am Nachmittag erreichen einige Urlauber mit tatkräftiger Unterstützung von Einheimischen das überforderte Hospital in Takua Pa und vom südlichen Khao Lak Gebiet auch Phuket. Keiner der überlebensfrohen Touristen konnte jedoch zur Sachlage detaillierte Aussagen weiter geben. 

Noch während die Medien die Reportagemöglichkeiten auf Phuket herstellten und Bildmaterial von dort in die Heimat sendeten, war Schlimmstes aus der Region zu befürchten. Wir haben versucht, telefonisch was zu erreichen. Vom 24.12.04 morgens bis zum  27.12.04 war überhaupt keine Kontakt in das Krisengebiet am Khao Lak möglich. Am 28.12. riegelte das Militär das Gebiet ab und begann mit der Bergung von Todesopfern. Nur bis dahin konnte man noch an den Polizeisperren vorbei in das Unglücksgebiet gelangen. So entstanden einige unfassbare Fotoserien. Die gesamte Kommunikationsstruktur war zerstört, sodass auch unbetroffene Hotels nicht zu erreichen waren. Erst zu Beginn 2005 konnte man wieder in die Ruinenlandschaften am Khao Lak gelangen. Auch Phi Phi Don, mit den beiden flachen Sandstränden in der Tonsai- und Dalam-Bucht war tagelang unerreichbar. Die Insel war nur mit den Booten der Hilfskräfte zu erreichen. Die Evakuierung der Urlauber dauerte teilweise 2 bis 3 Tage.

Die Anzahl von Touristen im  Khao Lak Gebiet lag bei ca. 3500 Gästen am Katastrophenmorgen. Davon allein etwa 40 Prozent Deutsche. Die vorwiegend an der Durchgangsstraße liegenden kleineren Ortschaften auf ca. 20 km Küstenlänge nördlich von Phuket in der Provinz Phang Nga sind von Thais besiedelt. Es sind Dörfer mit wenigen Hunderten Einwohner. Viele der Thais arbeiten für den Tourismus oder es sind Familienangehörige. Nachweislich vielen den Tsunami mindestens 7500 Menschen Opfer. Davon fast die Hälfte Touristen. Noch immer sind Schicksaale ungeklärt. Noch lange wird der aufmerksame Beobachter Schäden finden. Einige Hotels standen noch verwüstet und ungeöffnet dar. Trotz hoher internationaler Aufmerksamkeit und hohem Spendenaufkommen hat Thailand die meisten Schäden allein geschultert. Langfristig versprochene Hilfe über Jahre hinaus wurden nicht eingehalten. Ebenso die rasch gemachten deutschen Hilfeversprechen. 

Die Spendengeschichten...

Die Zeit danach war hart. Es ging darum, die vielen Monate nach der Katastrophe zu überleben. Unsere Geschäftpartner in den betroffenen Gebieten waren nicht mehr. Die, die überlebt hatten, standen in der Regel ohne Arbeit da. Ein bis zwei Jahre gab es zu viele Arbeitskräfte aus dem Tourismus ohne Job oder geregeltem Einkommen. Die Familien hatten eine schwere Zeit. In aller Regel erreichte Tausende Betroffene kaum eine zufriedenstellende Hilfeleistung. Uns, die selbst zu Hundert Prozent vom Tourismus abhängig sind, erreichten viele e-Mails von in Not geratenen Thais. Dabei stand auch uns das so zutreffende "Wasser bis zum Hals". Wir richteten Sonderseiten im Internet ein, veröffentlichten Vermisstenlisten - auch in englischer Sprache -, mit Fotos, hatten Kosten, die selbst ein Internetprovider nicht übernahm. Auf unsere Webseiten verzeichneten zur Jahreswende Zehntausende Besucher. Das kostete zusätzlich. Urlaube wurden haufenweise storniert. 

Unser Unternehmen hatte 2005 bis Mitte 2006 kaum noch Einnahmen. Ebenso viele Hotelbetriebe in den betroffenen Gebieten. Es reichte nur noch - wenn überhaupt - zur Bezahlung von Telefon und Strom. Die meisten Touristenunternehmen lebten von der Substanz - oder eben nicht mehr. Als unmittelbar Betroffene mussten wir fest stellen, dass tatsächlich was dran ist, an der Tatsache der Spendenungläubigkeit an die richtigen Personen. Die "Spendenindustrie" hat an Glauben verloren. Profitteure sind mehr die Fernsehanstalten mit den höheren Einschaltquoten & Printmedien mit den höheren Verkaufsauflagen - als viele Menschen vor Ort. Fernsehstars und Musiker nutzen die Darstellung für bessere Vermarktung und ein besseres Image. Hilfsorganisationen chartern teuer Flugzeuge, weil sie den Thailändern nicht zutrauen, vor Ort Bergungen selbst durchzuführen. Liebe Fernsehanstalten, liebe Printmedien - wo haben sie entsprechende Leistungen vor Ort erbracht ? Liebe Showstars, wo ist der "Mehrwert" ihres Auftritts hin gekommen ? Mit Hochachtung muss man den Reisenden nach Thailand ein Kompliment machen. Schon ab der Hauptsaison 2006/2007 reisten viele Urlauber nach Thailand - die Hotels waren sehr gut gebucht. Es sind die Menschen, die dadurch direkt Hilfe leisteten und Südthailands betroffene Reisegebiete wieder recht schnell auf die Beine halfen. 

Vor der Westküste Indonesiens verläuft die gefährlichste tektonische Bruchlinie des Erdballs. Die australisch-pazifische und die eurasische Kontinentalplatte, in der sogenannten Mentawi-Zone, baut weiterhin Spannung auf. Schon vor dem Tsunami Ende 2004 gab es dort häufig Erd- und Seebeben - allerdings ohne nennenswerte Tsunami-Wellen. Die Erde bebt also nur ca. 500km westlich von Thailands Westküste ständig. Siam ist selbst weniger Erdbeben gefährdet. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind erforderlich. Zwar gibt es überall an Thailands Westküste Beobachtungs- und Alarmtürme, aber ein den besten technischen Möglichkeiten entsprechendes und "kluges" Warnsystem funktioniert leider noch nicht. Die Millioneneinnahmen aus dem Tourismus und die Wirtschafthilfe für Indonesien sollten ausreichen, um nicht die Urlauber ständig in Gefahr zu versetzen und bei kleineren Erdstößen in Panik verfallen zu lassen. Japan zeigt, dass und wie es möglich ist.

Fazit: Früherkennungen sind wichtig und notwendig. Bei den Geburten, bei Umweltverschmutzungen und im Katastrophenschutz.

In tiefer Trauer an die fast schon vergessenen Geschehnisse, herzlichst...

Die Redaktion des suedthailand.info

 

© www.suedthailand.info